Gebäude-Bestandsanalyse und Vorplanung zur Sanierung der Trinitatiskirche Mannheim

Trinitatiskirche, Straßenansicht

Die Evangelische Trinitatiskirche war von 1956 bis 1959 als freistehendes Gebäude außerhalb der Blockrandbebauung errichtet worden. Das Gebäude wurde 1994 unter Denkmalschutz gestellt und gilt als wichtige Arbeit des kürzlich verstorbenen Architekten, Professor Striffler. Bestimmend für den Gebäudecharakter ist die minimale Tageslichtbeleuchtung von nur 4 Lux innen (Sommertag), die die Farbwirkung der Beton-Glassteinelemente zu ihrer besonderen Wirkung bringt. 

 

                                   Schnitt

 

                                  Grundriss 

 

Die Kirche wurde seit 10 Jahren nur noch gelegentlich für Gottesdienste genutzt. Im Zusammenhang des Wettbewerbs zur Zwischennutzung (Umnutzung) des Kirchenschiffes standen umfangreiche Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten an. Die Sanierungsarbeiten sollten zeitnah nach der Wettbewerbsentscheidung in Abstimmung mit dem neuen Nutzer beginnen (EinTanzHaus). 

Innenraum, Blickrichtung Altar

Der tatsächliche Gebäudebestand musste anhand von alten Bauakten, Statik-Plänen und durch Bauteilöffnungen ermittelt werden. Es wurde deutlich, dass es sich bei der Trinitatiskirche um ein Gebäude mit vielen ungewöhnlichen Lösungen handelt. 

Fotos aus der Bauzeit veranschaulichen die  Tragkonstruktion der Stützen und die

Ausfachung der Zwischenräume mittels vorgefertigten Rahmenelementen mit einge-

gossenen Farbglasstücken

Zur Neukonzeption der Haustechnik und Entwicklung von denkmalverträglichen Sanierungskonzepten für Fassaden und Dach waren neben der Bestands- und Schadensaufnahme eine ganze Reihe von weiteren Voruntersuchungen erforderlich. So wurde beispielsweise auch die Raumakustik überprüft, eine bauphysikalische Abschätzung zur Konzeption einer neuen Heizung im ungedämmten Betonraum vorgenommen, und mögliche Gebäudeschadstoffe erkundet. 

Traufbereich Kirchdach mit innenliegender Dachrinne 

Eine Besonderheit der Kirche war die nun stillgelegte Hypokausten- Luftheizung im Mittelschiff mit nur 5 cm starken tragendem Kunstwerkstein-Bodenplatten über den Hohlräumen der Heizkanäle. Zur ursprünglichen Luftheizung gehören auch Abzugsöffnungen zwischen den Unterzügen, die die erwärmte Luft durch den Dachraum ins freie führten. 

Luftein- und Luftaustritte der alten Heizung links neben dem Altarbereich

Bemerkenswert ist die Bauweise der Buntglasfassade aus vorgefertigten Betonrahmenelementen die auf der Außenseite mit ca. 2 cm starken, in Beton eingegossenen Glasstücken bekleidet sind. Die Betonrahmenelemente werden durch Fugenbewehrungen stabilisiert und sind an den Rahmenstützen eingebunden.

Innenfassade mit unterschiedlichen Glas-Betonfertigteilen

Die Entwässerung der schräg, innenliegenden Dachrinnen geschieht durch ein an jeder Stütze filigran in der Fassadenebene geführtes Fallrohrsystem. Es besteht aus in Attika und Sockel einbetonierten Kanalrohren und daran versetzt anschließenden Kupfer-Fallrohren.

Potentialfeldmessung  an  Fassadenfeld.  Das Messbild,  rechts zeigt nur vereinzelte,

geringfügige Korrosion der Fugenbewehrungen. Die Fertigteilfugen waren mit Fenster-

kitt abgedichtet. Das rechteckige Fallrohr verläuft am Feldrand rechts, vor der Stütze.

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